Britta hat sich für ihr Sommersemesterpraktikum nach Peru begeben, um mehr über das traditionelle Handweben dort zu lernen. Ich hab sie für zwei Wochen begleitet. Zunächst einmal sind wir nach Lima eingeflogen (mit Zwischenstop in Chicago und New York). Dort haben wir uns 2 Tage lang die Stadt angesehen und uns die Schuhfabrik angesehen, in der einige der Fluevogs in Handarbeit entstehen. Übernachtet haben wir in einem alten aber hübschen Gran Hotel Lima, direkt im historischen Viertel.
Dann gings per Flieger nach Cusco, wo uns erst mal die Höhe zu schaffen machte. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn man von Meereshöhe schlagartig auf 3400m aufsteigt. Daher haben wir es erstmal relativ ruhig angehen lassen, fühlten uns aber trotzdem nicht besonders. Cusco war trotzdem lohnenswert, wenn auch sehr touristisch. Wir besuchten das Zentrum für traditionelle Textilien, mit denen Britta vorher in Kontakt war, doch leider war Nilda, die Leiterin, gerade in Chinchero und wurde auch nicht mehr zurück erwartet. Daher beschlossen wir nach Pisac weiterzureisen, wo wir bei einer einheimischen Familie couchsurften. Da gab es reichlich zu lernen über die einheimische Geschichte. Außerdem betrieben die beiden eine freie Schule, größtenteils für einheimische Kinder, basierend auf den Ideen von Rudolph Steiner, ähnlich den Waldorf Schulen bei uns. Carlos und Tita brachten uns dann auch mit einer Weberin, Lucia, in Kontakt, mit der wir uns am nächsten Morgen treffen sollten. Das klappte nicht so ganz und wir bummelten letztendlich bis 15:30 herum, bis wir Lucia trafen. Die reiste aber erst am nächsten Tag in ihr Dorf Amaru zurück, so dass wir noch einen Tag in Pisac verbummelten, was uns schon so langsam auf die Nerven viel, da wir mittlerweile jede Straße mindestens zweimal hoch-und runtergelaufen sind. Aber wir fanden eine tipptopp Unterkunft bei Bekannten von Carlos und machten noch einen schönen Abendspaziergang. Am nächsten Tag trafen wir uns dann wieder mit Lucia, die uns übers Wochenende weben beibringen wollte. Wir fuhren also mit ihr (und noch 4 weiteren Personen, davon 3 im Kofferraum) ins kleine Dörfchen Amaru, was in den Bergen auf 3800m lag. Da machte uns die Höhe dann wieder zu schaffen. Tee aus Coca Blättern und das traditionelle Kauen von Coca Blättern halfen uns am nächsten Tag aber enorm.
Am nächsten Tag brachte uns Lucia dann das traditionelle Handweben mit einem „Belt Loom“ bei. Der belt loom besteht im Wesentlichen aus zwei Nägeln, von denen man sich einen in den Gürtel (engl. belt) hängt. Somit kann man dann mit Hilfe des Oberkörpers die nötige Spannung auf die Fäden ausüben. Lucia war eine fantastische Lehrerin, was angesichts der Tatsache dass sie kein Englisch und ich kein Spanisch spreche, schon sehr beachtlich ist. Innerhalb von ein paar Stunden hatte ich das Prinzip verstanden und wir beide hatten je zwei verschiedene Muster gewebt.
Unterkunft hatten wir bei Lucias Eltern, einem älteren Bauernpaar, die uns auch mit Essen versorgten. Sehr einfache Speisen und sehr viel Kartoffeln, aber durchaus leckere Sachen wie Maissuppe oder Meerschweinchen (was in Peru traditionell serviert wird). Nur die Kälte machte uns abends zu schaffen, aber hier war ja auch Winter. Tagsüber wars dank der Sonne und dem riesigen Ozonloch schön warm (wobei die Lufttemperatur schon eher kühl war), aber sobald die Sonne anfing unterzugehen, sprich 16:30Uhr, fielen die Temperaturen schlagartig, innerhalb einer halben Stunde zog man mindestens zwei Lagen mehr an. Nachts war man dann schon fast am Gefrierpunkt. Ein hoch auf Yeti Daunenschlafsäcke!
Am Sonntag wollte Lucia auf einem Handwerksmarkt in Pisco ihre Webereien verkaufen. Wieder mal eine kurzfristige Planänderung, oder Kommunikationsschwierigkeiten, jedenfalls fand unser Webkurs so ein schnelles Ende. Wir beschlossen, nicht noch mehr Zeit zu verplempern und brachen nach Ollantaytambo auf, dem letzten Ort im heiligen Tal der Inkas und Abfahrtsstation für den Zug nach Machu Picchu.
Hier ging es uns dann besser, da das Tal nach Machu Picchu hin abfällt. Machu Picchu selbst liegt auch gerade mal auf 2400m, quasi fast Meereshöhe nach dem was wir bisher erlebt hatten. Unser Tagestrip nach Machu Picchu bescherte uns dann sehr viele Ärgernisse (man braucht nen Reisepass um Zugfahrkarten zu kaufen, dann durften wir unseren Rucksack nicht mit reinnehmen, kein Essen oder Einwegflaschen erlaubt, was uns dann eine Bergbesteigung ohne Wasser einbrachte; Britta musste ihren traditionellen Rock, den sie in Pisac gekauft hatte, ausziehen und überhaupt zocken die die Touristen hier maßlos ab, da man keine andere Wahl hat etc.) und verschlag in der billigsten Version gut 200 Dollar pro Nase. Als wir das dann aber endlich hinter uns hatten bestiegen wir den Machu Picchu Montana (=Berg), für den man extra Eintritt zahlt und auf den man nur von 7-11 hinauf darf. Ohne Wasser war das für Britta eine ziemliche Qual, aber es beschert einen herrlichen Ausblick auf die Inkastadt (der Berg liegt ca. 600 Höhenmeter darüber, ein ganz schöner Aufstieg). Wieder unten angekommen und gestärkt besichtigten wir dann die Ruinen. Schon sehr beeindruckend und muss man sicher selbst erlebt haben. Erstaunlicherweise gar nicht so alt wie ich dachte, so um 1450 errichtet. Nüscht im Vergleich zur Pretziener Dorfkirche.
Nach diesem Tag in Machu Picchu fuhren wir am nächsten Tag nach Chinchero, wo das Zentrum für traditionelle Textilien (CTTC) vor 38 Jahren ursprünglich gegründet wurde. Mittlerweile haben sich in Chinchero zahlreiche solcher Zentren gebildet. Und auch das CTTC hat mittlerweile einige Filialen. Insgesamt arbeiten hier rund 100 Weberinnen, von denen ca. 50 in der Ausbildung sind. Interessanterweise gabs in dem Dorf nur 3 Pensionen, von denen eine voll war. Wir endeten zufällig bei einer der Weberinnen vom CTTC gleich nebenan, direkt am Dorfplatz, also ideal gelegen. Wir lernten kurz Flora kennen, die Schwester von Nilda, welche das Zentrum leitet. Flora war ziemlich beschäftigt mit Bürokram und gibt auch mehrere Touren durch das Zentrum jeden Tag, so dass Touristen lernen können wie Wolle gefärbt wird (alles rein auf Naturbasis nach den Jahrhunderte alten, traditionellen Rezepten, welche Nilda erst mal wieder studieren musste so dass sie jetzt wieder verwendet werden) und Garn gesponnen wird, welches dann in Handarbeit auf einfachsten „Webstühlen“ (sog. backstrap loom, siehe auch HIER) zu den komplexesten Mustern gewebt werden.
In Chinchero verbrachten wir 3 Tage mit Weben. Die Gemeinschaft zwischen den Weberinnen ist fantastisch und wir wurden sehr herzlich aufgenommen. Die Qualität der Webereien war hier deutlich höher als in den lokalen Märkten. Hier waren wirklich Meister am Werk. Die älteren und sehr viel älteren Damen waren dabei am beeindruckendsten. So gaben wir dann auch 1500$ für Webereien aus, die meinen Rucksack auf der Rückreise ans Gewichstlimit brachten. Wir lernten ein paar lokale Muster von einer jüngeren Weberin (Noemi), die aber nicht allzu enthusiastisch war uns was beizubringen (auch wenn wir sie relativ gesehen reichlich belohnten mit quasi einem Tageslohn pro Stunde). Ein großes Problem war auch, dass alle Weber Quechua sprachen oder auch Spanisch. Aber wir kamen zurecht und Spanisch greift man relativ leicht auf. Am dritten und vierten Tag (bzw. ab Donnerstag) war ein langes Feiertagswochenende. Wir sind abends auch gleich mal auf eine Feier eingeladen worden und bekamen Bier und Essen angeboten, obwohl wir eigentlich nur im Vorbeigehen ein Foto von der Band machen wollten. Auch am nächsten Abend, wo wir die große Feier auf dem Dorfplatz besuchten, bekamen wir ein Bier in die Hand gedrückt (wir wollten eigentlich nur eins kaufen, dass nicht in einer anderthalb Liter Flasche kam). Insgesamt war das meine schönste Zeit in Peru. Eigentlich dachte ich ja, dass ich Wandern gehen würde, während Britta webt, aber das CTTC war einfach zu einladend.
Samstag ging es dann zurück nach Cusco. Dort verbrachten wir 3 Stunden damit, Bargeld zu bekommen. Es gab zwar eine Straße mit ca. 15 verschiedenen Banken, jedoch wurde unsere Karte nach der ersten Benutzung gesperrt und auch die anderen Karten funktionierten nicht. Dazu kommt dann noch, dass die Geldautomaten so programmiert sind, dass sie nur max. 400 Soles (ca. 180$) rausrücken, wir aber unsere 1500$-Rechnung zu bezahlen hatten. Daher klapperten wir also zig Banken ab und kamen erst am nächsten Tag und unter Nutzung meiner deutschen Kreditkarte genug Bargeld zusammen. Ansonsten hatten wir aber ein hübsches Hotel, ein wenig abseits aber sehr freundlich und hilfsbereit und gut ausgestattet, was man für 15$ nicht so erwartet hätte. Wir wanderten in der Stadt herum und besuchten noch ein paar Märkte, da es nochmal eine gute Einkaufsgelegenheit war (ich konnte ja als Packesel alles nach Hause schleppen). Gegen Sonntag Mittag ging dann meine Rückreise los, die mit Flugverspätung und Magen-Darm-Grippe (oder so was in der Art), dann nicht so angenehm war. Ich konnte die 8 Stunden Wartezeit auf dem Flughafen in Lima aber gut nutzen um noch 2 Gutachten zu schreiben. Damit hatte ich dann schon mal vorgearbeitet für die Arbeitswoche, die gleich wieder in die Vollen ging. Mittlerweile betreue ich jetzt auch noch einen zweiten Doktoranden, damits nicht zu langweilig wird. Britta blieb noch zwei Wochen länger und bereiste auch noch den Titicacasee mit seinen schwimmenden Inseln. Leider gabs hier nicht so viel Webereien. Auf der Rückreise verbrachte sie noch ein paar Tage in Lima, wo sie einige Kunstgalerien besuchte. Mittlerweile ist sie auch wieder zurück, so dass ich hier auch ein paar Fotos zeigen kann (mittlerweile sind wir auch endlich stolze Besitzer einer Nikon D600). Wer Fotos in größerer Auflösung möchte, bitte anfragen.
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